Wandern in den Dolomiten


Rund um die Drei Zinnen Le Tre Cime ad Anello

Die Wanderung rund um die Drei Zinnen mit Ausgangspunkt an der Auronzohütte ist wohl der Klassiker unter den Dolomitenwanderungen. Sie bietet ohne große Mühen den weltberühmten Blick auf die Drei Zinnen aus der Perspektive der Dreizinnenhütte. Diesen Anblick des Wahrzeichens der Dolomiten möchte wohl jeder selbst erleben, weswegen Wanderer aus In- und Ausland bis aus Übersee hierher strömen.

Wenn man es trotz Zugangsbeschränkungen einmal mit Auto oder Bus zur Auronzohütte geschafft hat, dann ist die Umrundung der Drei Zinnen zwar kein Sonntagsspaziergang, aber auch keine Herkulesaufgabe. Denn die Auronzohütte befindet sich bereits in 2333 Metern Höhe direkt am südlichen Fuß der Drei Zinnen. Somit ist diese Tageswanderung auch für Gelegenheitswanderer gut zu meistern. Was so gut wie alle Wanderer eint, ist, dass sie die Drei Zinnen gegen den Uhrzeigersinn umwandern. Der Grund ist einfach: So bekommt man am schnellsten den ersehnten Bilderbuchblick und ein wesentlicher Ab- und Aufstieg kommt erst später auf der Strecke.

Rifugio Auronzo, Großparkplatz  Toblach  444 Rifugio Auronzo Rifugio Auronzo • Rifugio Lavaredo • Dreizinnenhütte • Langalmhütte Sextner Stein 2539 m  Paternsattel 2454 m • Toblinger Riedl 2401 m • Mitterscharte 2315 m Lang • Mittelschwer • Rundwanderung • Kapelle • Felslandschaft • Sprachgrenze • Bergseen • Gipfelabstecher • Gipfelkreuz mit Gebetsfahne • Episches Gipfelpanorama • Kriegsstollen • Flussquelle • Touristischer Hotspot

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Rifugio Auronzo  Hütte 2333 m

Ich traf gegen halb neun mit dem ersten Bus von Toblach an der Auronzohütte ein, wo bereits viel Trubel herrschte. Die Hütte bietet Gelegenheit, die Sanitäranlagen zu nutzen und sich mit Speisen und Getränken zu versorgen. Das Panorama, das die Auronzohütte bietet, ist faszinierend. Nach Süden blickte ich auf die Gipfel der Cadini di Misurina und nach Osten auf die Gebirgskette des imposanten Zwölferkofels. Aus der Perspektive der Auronzohütte konnte ich auch ins Tal von Auronzo di Cadore mit dessen Stausee schauen.

Nachdem ich die ersten Eindrücke der Landschaft auf mich wirken lassen hatte, begann ich meine Wanderung. Auf einer breiten Schotterpiste, auf der bereits viele Wanderer unterwegs waren, wanderte ich zu Füßen der Drei Zinnen auf gleichbleibender Höhe in Richtung Lavaredohütte. Dabei passierte ich die Maria-Ausiliatrice-Kapelle, während zu meiner rechten Hand die Spitzen der Cadinigruppe stets präsent waren.



Parkplatz Parcheggio
Rifugio Auronzo  Hütte
Rifugio Auronzo  Hütte
Cappella Maria Ausiliatrice  Kapelle


Rifugio Lavaredo  Hütte 2345 m

Wenig später erreichte ich die Lavaredohütte, wo ich draußen die Gelegenheit nutzte mein vom Hotel mitgegebenes Frühstück zu essen. Nach der Stärkung setzte ich meine Wanderung über den breiten Schotterweg fort. Er führt an den beiden Lavaredoseen vorbei, auf die ich noch einen schönen Blick warf. Rückblickend ergibt sich eine herrliche Aussicht auf die Lavaredohütte, eingebettet in eine Landschaft aus Gras und Stein mit den Spitzen der Cadinigruppe dahinter. Weiter ansteigend führt der Pfad in einem weiten Bogen auf den Paternsattel.



Wegweiser Segnavia
Rifugio Lavaredo  Hütte
Cadini di Misurina
Paternsattel Forcella Lavaredo


Paternsattel Forcella Lavaredo  2454 m

Auf dem Paternsattel sammelten sich größere Menschengruppen für eine längere Pause. Denn die Aussichten wechseln nun drastisch. Bereits jetzt fasziniert der seitliche Blick auf die Drei Zinnen. Und mit dem Erreichen des Paternsattels wird der Blick nach Norden in Richtung Dreizinnenhütte freigegeben. Hier dominieren das Geröllgelände vor den Drei Zinnen und der tiefer gelegene grüne Rienzboden, den ich später noch besuchen würde.

Der Paternsattel markiert auch die Grenze zwischen den Provinzen Belluno und Südtirol und damit die Sprachgrenze zwischen Italienisch und Deutsch. Von nun an sind außerdem die Wanderwegweiser aus Holz, zweisprachig beschriftet und zeigen die jeweiligen Gehzeiten.


Kleine Zinne Cima Piccola
Rifugio Lavaredo  Hütte
Paternsattel Forcella Lavaredo
Drei Zinnen Tre Cime di Lavaredo


Dreizinnenhütte Rifugio Locatelli / Innerkofler  2405 m

Der Pfad verläuft jetzt nordwärts und leicht absteigend am Fuß des Paternkofels vorbei. In Richtung Westen überblickte ich das steinige Gelände vor den Drei Zinnen, auf dem auch die Langalmhütte steht und den grasbewachsenen Rienzboden. Dabei wurde mir auch klar, dass ich im späteren Verlauf der Wanderung noch ein ganzes Stück absteigen müsste, gefolgt von einem entsprechenden Gegenanstieg. Auch der Blick in das tief unten gelegene Rienztal ist beeindruckend.

Nach einem kurzen Aufstieg erreichte ich dann die wunderbar gelegene Dreizinnenhütte auf dem Toblinger Riedl. Tatsächlich befinden sich hier nicht nur die Hütte selbst, sondern auch die Kapelle von Sankt Bernhard, Schutzpatron der Wanderer und Bergsteiger, sowie ein Pumpenhaus, das die Dreizinnenhütte mit Wasser aus den Bödenseen versorgt.

Auch von hier eröffnen sich neue Aussichten. Nach Osten schaute ich auf die genannten Bödenseen und ins Fischleintal. Nach Norden auf den Sextner Stein und den Toblinger Knoten. Nach Süden auf den Paternkofel, der aus dieser Perspektive eine markante Gestalt annimmt. Den Höhepunkt bildet jedoch der Blick auf die legendären Drei Zinnen, die aus dieser Perspektive das perfekte Postkartenmotiv abliefern.



Dreizinnenhütte Rifugio Locatelli
Sextner Stein Sasso di Sesto
Paternkofel Monte Paterno
Bödenseen Laghi dei Piani


Sextner Stein Sasso di Sesto  2539 m

Während die allermeisten Wanderer sich für eine längere Pause im Bereich der Dreizinnenhütte hinsetzen und die Aussicht genießen, wollte ich noch einen kleinen Abstecher auf den Sextner Stein machen. Nach einer kurzen Ess- und Trinkpause wanderte ich also weiter auf einem Pfad, der mit »Toblinger Knoten« ausgeschildert ist. In der Tat hat man auf diesem Pfad die Bergwelt plötzlich wieder für sich allein. Es sind nur gut hundert Höhenmeter zu überwinden, um eine noch schönere Aussicht zu bekommen.

Der Pfad führt schnell auf eine Scharte zwischen dem Toblinger Knoten und dem Sextner Stein und von dort rasch auf den Gipfel des Sextner Steins. Hier wartet ein schlichtes Holzkreuz mit einer Gebetsfahne, die man aus der tibetischen Kultur und dem Himalaya kennt. Die fünf Farben (Blau, Weiß, Rot, Grün, Gelb) stehen für die fünf Elemente (Himmel, Luft, Feuer, Wasser, Erde).

Aus dieser erhöhten Perspektive ist das Panorama des Paternkofels sowie der Drei Zinnen noch ergreifender als bereits zuvor. Auch der Blick nach Westen ins Tal der Rienz und nach Osten in Richtung Fischleintal ist beeindruckend. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast wanderte ich über denselben Pfad wieder zur Dreizinnenhütte hinunter.


Toblinger Knoten Torre di Toblin
Sextner Stein Sasso di Sesto
Drei Zinnen Tre Cime di Lavaredo
Dreizinnenhütte Rifugio Locatelli


Kriegsstollen Gallerie di Guerra  2443 m

Kurz vor der Dreizinnenhütte ist ein weiterer kleiner Abstecher empfehlenswert, der allerdings kein Geheimtipp mehr ist. Er führt zu einigen Kriegsstollen, die im Fuß des Sextner Steins gehauen sind. Sie sind Überbleibsel aus den Ereignissen des Ersten Weltkrieges, als sich im Gebiet um die Drei Zinnen Österreich-Ungarn und Italien bekämpften.

Aus dieser ebenfalls erhöhten Position liegt die Dreizinnenhütte unten bilderbuchmäßig vor dem Paternkofel. Aber was die Menschen eigentlich zu den Schutzhöhlen treibt, ist die Sicht auf die Drei Zinnen aus dem Innern einer Höhle. Ein Fotomotiv, das sich hier viele Wanderer nicht entgehen lassen möchten. Als auch ich das Bild im Kasten hatte, wanderte ich zur Dreizinnenhütte zurück.


Paternkofel Monte Paterno
Dreizinnenhütte Rifugio Locatelli
Sextner Stein Sasso di Sesto
Drei Zinnen Tre Cime di Lavaredo


Rienzboden Pian da Rin  2192 m

Was manche Wanderer überrascht, wenn sie einmal vor Ort sind, ist, dass die Umrundung der Drei Zinnen kein gemütlicher Spaziergang auf gleichbleibender Höhe ist. Tatsächlich geht es auf der Strecke mehrfach auf und ab. Nun fängt der anstrengende Teil der Wanderung an, denn es geht über gut zweihundert Höhenmeter zum Rienzboden hinab und auf dessen anderen Seite wieder hinauf.

Der Rienzboden ist eine grüne Almwiese mit weidenden Kühen, was vor der Bergkulisse ein hübsches, friedliches Landschaftsbild abgibt. An dieser Stelle, sowie im Bereich der Langalm, entspringt die Rienz. Sie fließt dann hinunter ins Höhlensteintal, bei Toblach ins Pustertal und schließlich bei Brixen in den Eisack. Nachdem ich den Rienzboden passiert hatte, stieg ich anschließend wieder hinauf über einen Pfad, den ich zuvor schon deutlich am Hang wahrgenommen hatte.


Rienzboden Pian da Rin
Rienzboden Pian da Rin
Rienzboden Pian da Rin
Rienzboden Pian da Rin


Langalmhütte Malga Grava Longa  2283 m

Oben angekommen ruhte ich mich zunächst aus, warf einen letzten Blick zurück auf den Rienzboden mit dem Toblinger Riedl und der Dreizinnenhütte hoch darüber gelegen. Dann setzte ich meine Wanderung durch eine felsige Landschaft mit Gras und Latschenkiefern im leichten Auf und Ab fort. Recht bald kam die Langalmhütte in Sicht, die nochmals zu einer Rast einlud. Wie bei der Dreizinnenhütte war auch hier viel los und die Leute nutzten erneut die Gelegenheit etwas zu essen, zu trinken und die Natur zu genießen. Weiterhin prägen die Drei Zinnen das Landschaftsbild, deren Erscheinung sich mit Fortschritt der Wanderung allmählich ändert.

Nach der Pause wanderte ich auf dem aufsteigenden Pfad weiter. Dabei treten die Zinnenseen in Erscheinung. Für die drei kleinen, teils versteckten Seen lohnt sich eine nähere Betrachtung, die viele Wanderer jedoch auslassen. Über einen nicht ausgeschilderten Pfad und später durch wegloses Gelände kam ich an die Seen heran. Hier herrscht wieder Ruhe und man könnte wunderbar sein Zelt aufschlagen, wenn es nicht ausdrücklich verboten wäre. In den Seen, die Quelle der Rienz sind, spiegeln sich die Berge, was wiederum ein schönes Fotomotiv hergibt. Nach dem lohnenswerten Abstecher wanderte ich weiter zu einer Scharte hinauf.



Langalmhütte Malga Grava Longa
Drei Zinnen Tre Cime di Lavaredo
Zinnensee Lago delle Cime
Zinnensee Lago delle Cime


Mitterscharte Col di Mezzo  2315 m

Diese Scharte ist allerdings noch nicht die Mitterscharte. Sie bietet einen letzten Blick zurück auf die Langalm und auf die Drei Zinnen aus der westlichen Perspektive. Der Pfad setzt sich nun auf etwa gleichbleibender Höhe fort und passiert dabei die Drei Zinnen seitlich. In der Ferne nahm ich die Mitterscharte wahr, die mit einem Holzzaun über ihre gesamte Breite ausgestattet ist und die ich alsbald erreichte.

Wie beim Paternsattel grenzen auf der Mitterscharte die Provinzen Südtirol und Belluno aneinander. Die Sprache wechselt auf von Deutsch zu Italienisch und die Wegweiser ändern sich durch eine andere Zuständigkeit. Und nicht zuletzt ändert sich die Landschaft. Denn die Cadinigruppe kam wieder zum Vorschein und ich konnte tief ins Tal von Misurina schauen. Zum Abschluss meiner wunderbaren und aussichtsreichen Runde um die Drei Zinnen erreichte ich schließlich den Parkplatz an der Auronzohütte.


Mitterscharte Col di Mezzo
Mitterscharte Col di Mezzo
Mitterscharte Col di Mezzo
Misurina