Paternkofel Monte Paterno
Diese Wanderung führt mit einem Klettersteig auf den Paternkofel inmitten der Sextner Dolomiten. Als exponierter Nachbar der weltberühmten Drei Zinnen gibt es von seinem Gipfel den ultimativen Blick auf sie. Es gibt drei Wege, den Gipfel des Paternkofels zu erreichen. Alle drei führen über die Gamsscharte, ab der der schwierigere Teil des Klettersteigs zur Spitze erfolgt. Auf dem Gipfel mit dem markanten Holzkreuz gibt es ein imposantes Panorama aller Himmelsrichtungen, wobei der Blick auf die Drei Zinnen besonders hervorsticht.
Der Rückweg zur Gamsscharte erfolgt auf derselben Strecke. Wie angedeutet kann zum weiteren Abstieg eine Alternative zum Aufstiegsweg genommen werden. Da ich beim Aufstieg den Passportensteig vom Paternsattel gewählt hatte, entschied ich mich, über den Gamsschartensteig zum Büllelejoch abzusteigen. Von dort wanderte ich über die Almen von Cengia zur Lavaredohütte weiter und beendete die Wanderung an der Auronzohütte. Damit komplettierte ich eine unfassbar schöne Runde in der Nachbarschaft des Wahrzeichens der Dolomiten, der Drei Zinnen.
Werte aus GPX-Datei errechnet. Steigung und Gefälle topografisch nicht angepasst und daher nicht real.
Rifugio Auronzo Hütte 2333 m
Bei der Ankunft gegen halb neun mit dem ersten Bus von Toblach an der Auronzohütte, herrschte dort bereits viel Trubel. Die Hütte bietet Gelegenheit, die Sanitäranlagen zu nutzen und sich mit Speisen und Getränken zu versorgen. Das Panorama, das die Auronzohütte bietet, ist großartig. Nach Süden blickte ich in die markanten Cadini di Misurina und nach Osten auf die Gebirgskette des imposanten Zwölferkofels. Diesen Dreitausender würde ich später noch aus näherer Entfernung erleben. Von der Auronzohütte konnte ich auch auf den Ort Auronzo di Cadore schauen, das tief unten im Tal gelegen ist und dem die Hütte ihren Namen verdankt.
Nachdem ich die Eindrücke des breiten Landschaftsbildes gesammelt hatte, begann ich meine Wanderung. Auf einer breiten Schotterpiste, auf der ich erwartungsgemäß nicht allein unterwegs war, wanderte ich zu Füßen der Drei Zinnen auf gleichbleibender Höhe in Richtung Lavaredohütte. Dabei passierte ich die Maria-Ausiliatrice-Kapelle, während zu meiner rechten Hand die Spitzen der Cadinigruppe stets präsent waren. An der Lavaredohütte, die um diese Uhrzeit noch etwas verschlafen wirkte, teilt sich der Pfad.
Paternsattel Forcella Lavaredo 2454 m
Die breite Schotterpiste zum Paternsattel läuft geradeaus weiter. Ich nahm jedoch den Abkürzungspfad nach links und hoffte dadurch schneller auf der Scharte zwischen der Kleinen Zinne und dem Passportenkofel zu sein. Einmal auf dem Paternsattel angelangt, gibt es wieder herrliche Aussichten, diesmal auch nach Norden. Aber auch die seitliche Sicht auf die Drei Zinnen nach Westen ist sehr beeindruckend. Nach Süden blickte ich auf die tiefer gelegene Lavaredohütte samt zwei kleinen Seen und die Felsspitzen der Cadinigruppe dahinter. Nach Norden erkannte ich in der Ferne die Dreizinnenhütte mit dem markanten Toblinger Knoten dahinter. Hier am Paternsattel beginnt der Passportensteig, der in Richtung Passportenkofel hinaufführt.
Passportenscharte Forcella Passaporto 2527 m
Nach einem kurzen Anstieg endet der Normalpfad direkt unterhalb des Passportenkofels am Eingang eines Tunnels. Spätestens hier muss man seine Klettersteigausrüstung anlegen. Aus dieser Perspektive gibt es nochmals einen fantastischen Blick über den Paternsattel hinweg auf die Drei Zinnen, die auch später auf der Wanderung noch allgegenwärtig sein werden. Der Tunnel verläuft über einen 90°-Winkel, ist sehr niedrig, allerdings auch nur kurz. Ich hatte meine Stirnlampe dabei. Aufgrund der Kürze des Tunnels dürfte notfalls auch die Taschenlampe eines Handys ausreichen. Jedenfalls war dies der einzige Tunnel auf der von mir begangenen Route.
Jenseits des Tunnels befinden sich bis zur Passportenscharte mehrere seilversicherte Stellen auf nahezu gleichbleibender Höhe. Hier blickt man nach Westen auf die Landschaft vor den Drei Zinnen mit der Langalm und dem Tal der Rienz. An der Passportenscharte wechselt der Pfad auf die Ostseite des Gebirgszuges und geht in ein Felsband über. Unmittelbar nach der Passportenscharte gibt es im Band einen Durchstich zu einem Guckloch, das die Drei Zinnen ins Visier nimmt. Dieses Relikt führt auf die Kampfhandlungen im Ersten Weltkrieg zurück. Nach dem Felsband folgt ein mäßiger Abstieg ins Kar der umliegenden Gipfel.
Gamsscharte Forcella del Camoscio 2680 m
Nach dem Abstieg folgt wiederum ein Aufstieg durchs genannte Kar auf die Gamsscharte. Im unteren Bereich ist der Pfad teilweise gerölllastig und im oberen Bereich felsig. Hier weisen rote Markierungen zuverlässig den Weg. Das schmale Fenster der Gamsscharte gibt einen schönen Blick nach Norden auf die Dreizinnenhütte, Sextner Stein, Toblinger Knoten und die Berggipfel dahinter frei. Von der Dreizinnenhütte kommt der »Innerkofler Klettersteig« herauf, der sich hier an der Gamsscharte zum Gipfel des Paternkofels unmittelbar fortsetzt.
Dieser letzte Teil des Klettersteigs mit teilweise Schwierigkeitsgrad »C« ist jedoch nur bedingt anspruchsvoll. Denn dieser steile Abschnitt endet bereits nach vielleicht zwanzig Höhenmetern. Es ist in diesem Abschnitt auf die roten Pfeilmarkierungen zu achten, da die Seilversicherung für den Auf- und Abstieg getrennt angelegt wurde. Nach dieser Passage flacht das Gelände ab und unterhalb des Gipfels des Paternkofels handelt es sich um einen normalen Pfad.
Paternkofel Monte Paterno 2744 m
Den Gipfel des Paternkofels ziert ein großes Holzkreuz, auf dem eine Gedenktafel zu Ehren Sepp Innerkoflers angebracht ist. Innerkofler war Bergführer und Gastwirt aus dem benachbarten Ort Sexten und fiel 1915 im Ersten Weltkrieg als österreichischer Kämpfer gegen Italien an diesem Berg. Neben dem Kreuz fällt auch noch ein Altar aus Metall auf, der als improvisierte Stätte für Andachten dient. Er bietet Bergsteigern und Kriegsveteranen die Möglichkeit, der Gefallenen des Krieges zu gedenken oder innezuhalten.
Durch seine exponierte Lage in der direkten Nachbarschaft der Drei Zinnen, bietet der Paternkofel ein beeindruckendes Rundum-Panorama, wobei die Sicht auf dieses Wahrzeichen der Dolomiten besonders hervorsticht. Aber auch die Aussicht in sämtliche anderen Himmelsrichtungen ist atemberaubend. Wenn man hinter dem Gipfelkreuz ein paar Meter absteigt, dann wird der Blick auf die tief unten gelegene Dreizinnenhütte frei. Ich habe auf dem Paternkofel gerne eine halbe Stunde verweilt, um die überwältigenden Landschaftseindrücke aufzunehmen. Voll zufrieden stieg ich anschließend wieder in die Gamsscharte ab.
Gamsschartensteig Sentiero delle Forcelle
Für den weiteren Abstieg von der Gamsscharte erweiterte ich meine Wanderung mit dem Gamsschartensteig, der auf der Südseite des Gebirgszugs in östlicher Richtung zum Büllelejoch führt. Auch dieser Weg ist als Klettersteig klassifiziert, aber nur noch mit Schwierigkeitsgrad »B«. Entgegen meiner Erwartung ging es auf diesem Steig mehrfach auf und ab, allerdings ohne Dramatik. Hier und da geben Felsspalten den Blick nach Norden frei. Der Klettersteig erstreckt sich fast durchgehend bis zur Östlichen Gamsspitze.
Bald darauf führt ein kleiner Abstecher zu einem Aussichtspunkt, von dem sich ein schönes Panorama im Norden eröffnet. Zur linken Hand schaute ich auf die Gegend um die Dreizinnenhütte und die Bödenseen und zur rechten Hand ins Fischleintal. Von nun an gibt es nur noch normale Wanderwege, beginnend mit einem Abstieg zur Seescharte. Ab der Seescharte geht es weiter abwärts auf einem langwierigen Pfad in Richtung Büllelejoch. Zudem blieb mir ein wesentlicher Gegenanstieg vor dem Büllelejoch nicht erspart.
Büllelejoch Forcella Pian di Cengia 2522 m
Rückblickend konnte ich meinen bisherigen, weiten Weg gut verfolgen. Links sah ich in der Ferne den Passportenkofel, rechts davon die Gamsspitzen und dazwischen die Passportenscharte, sowie im vorderen Bereich der Pfad von der Seescharte. Dann wendet sich der Pfad aufsteigend dem Büllelejoch zu, das ich wenig später erreichte. Hier besteht die Möglichkeit zum Abstieg zur Dreizinnenhütte und ins Fischleintal, sowie zu den Almen von Cengia. Bevor ich Letzteres tat, wollte ich noch unbedingt die nahegelegene Büllelejochhütte besuchen und dort etwas trinken.
Die Hütte ist vom Büllelejoch aus nicht zu sehen, aber in einer knappen Viertelstunde Gehzeit erreichbar. In der Büllelejochhütte bestellte ich dann eine große Apfelschorle und ruhte mich aus. Allzu lange wollte ich mich hier allerdings nicht aufhalten, da ich noch einen sehr langen Rückweg vor mir hatte. Und so brach ich nach zwanzig Minuten auf, wanderte zum Büllelejoch zurück und begann den Abstieg zur oberen Alm von Cengia.
Pian di Cengia 2258 m
Vom Büllelejoch fällt besonders der Zwölferkofel als höchster Gipfel der Umgebung auf. Er misst tatsächlich 3094 Meter und übertrifft also mit knapp 100 Metern die Große Zinne. Was ebenfalls auffällt, ist die inzwischen sehr viel grünere Umgebung. Die Almen von Cengia sind nämlich sehr grasbewachsen. Der Pfad vom Büllelejoch bis zur Lavaredohütte ist eine breite Schotterpiste und führt auf der oberen Alm an einem kleinen See vorbei. Im weiteren Verlauf geht es zur unteren Alm abermals abwärts.
Auf der unteren Alm von Cengia sind viele Murmeltiere zu hören und zu sehen. Eines davon hatte keine Scheu und ließ sich aus einer Distanz von zwei Metern seelenruhig beobachten. Als ich am Fuß des Passportenkofels angekommen war, hatte ich den tiefsten Punkt des Abstiegs und der gesamten Wanderung überhaupt erreicht. Nun musste ich leider wieder hundert Höhenmeter bis zur Lavaredohütte aufsteigen, was nach mehr als sieben Stunden Gehzeit ein Kraftakt war. Aber ich lag noch gut in der Zeit und setzte meinen Weg in Ruhe fort.
Rifugio Lavaredo Hütte 2345 m
Die Schotterpiste führt aufsteigend um den Passportenkofel herum und erreicht bei den zwei kleinen Lavaredoseen den höchsten Punkt. Diese liegen in unmittelbarer Nähe der Lavaredohütte. Fast geschafft also. In der Lavaredohütte löschte ich ein weiteres Mal meinen Durst und ruhte mich aus. Ich konnte mir Zeit lassen, denn mein gebuchter Bus an der Auronzohütte würde erst in anderthalb Stunden abfahren.
Schließlich machte ich mich auf den Weg zur Auronzohütte auf jenem Pfad, den ich bereits am frühen Morgen gegangen war. Für die Landschaft hatte ich inzwischen kaum noch einen Blick übrig, aber ich kannte sie ja schon und ich wollte nur noch am Ziel ankommen. So erreichte ich nach knapp neun Stunden schließlich wieder die Auronzohütte. Damit schloss ich eine fantastische Runde mit überwältigenden Eindrücken der wunderschönen Gebirgslandschaft der Sextner Dolomiten ab.