Sentiero Bonacossa Weg
Die Cadini di Misurina sind eine Gebirgsgruppe östlich des gleichnamigen Ortes in der Provinz Belluno. Sie erstrecken sich zwischen dem Rifugio Col de Varda im Süden und dem Rifugio Auronzo im Norden. Diese Gebirgsgruppe lässt sich auf dem sogenannten »Sentiero Bonacossa« an einem Tag durchqueren. Obwohl die Strecke in beiden Richtungen begangen werden kann, findet die Passage oft von Süd nach Nord statt. Erleichtert wird der Zugang zur Cadinigruppe im Süden durch einen Sessellift, der vom südlichen Ende des Misurinasees auf den Col de Varda führt. Dieser bildet den idealen Ausgangspunkt für die tagesfüllende, herrliche Wanderung.
Bei dieser Wanderung werden vier Pässe oder Scharten überwunden. Dementsprechend wechseln sich Auf- und Abstiege mehrfach ab, was die Wanderung entsprechend anspruchsvoll macht. Es geht los mit der Misurinascharte, gefolgt von der Teufelsscharte. Auf halber Strecke befindet sich die Fonda-Savio-Hütte auf dem Passo dei Tocci. Diese bietet eine willkommene Gelegenheit zur Rast und Stärkung. Weiter geht es zur Rin-Bianco-Scharte, ab der der faszinierende Teil der Wanderung beginnt. Denn der schmale Pfad führt in luftiger Höhe direkt an den Felsen vorbei und es wartet als kleine Herausforderung eine lange Leiter. Dort, wo der Pfad sich normalisiert, gibt es den famosen Aussichtspunkt mit faszinierendem Blick auf die Spitzen der Cadinigruppe. Hier tummeln sich viele Menschen, nicht nur wegen der einzigartigen Landschaftsszene, die reif für Instagram ist, sondern auch durch die Nähe zur Auronzohütte. Von dort ist die Auronzohütte auf einfachem Weg schnell erreicht.
Werte aus GPX-Datei errechnet. Steigung und Gefälle topografisch nicht angepasst und daher nicht real.
Misurina 1756 m
Misurina liegt in der Provinz Belluno im italienischsprachigen Teil der Dolomiten. Der Ort liegt schön am gleichnamigen See und dient häufig als Ausgangspunkt für Wanderungen in der Cristallogruppe, in der Cadinigruppe und in der Gegend um die Drei Zinnen. Es gibt einige wenige Hotels und einen Campingplatz. Das größte Hotel ist das »Grand Hotel Misurina«, das an der Hauptstraße im Norden Misurinas liegt. Der See kann leicht zu Fuß umrundet werden, wobei auf der Straßenseite ein langer Steg am westlichen Ufer entlang führt. Für meine Wanderung durch die Cadinigruppe fuhr ich zum kostenlosen Parkplatz am südlichen Rand von Misurina, wo sich die Talstation des Sessellifts auf den Col de Varda befindet.
Forcella Misurina Scharte 2391 m
Der Sentiero Bonacossa beginnt am Col de Varda, den ich mit dem Sessellift bequem und kräftesparend erreichte. Hier befindet sich eine Hütte, wo man sich noch mit Speisen und Getränken versorgen kann. Der Pfad lässt bald die Vegetation hinter sich und steigt dann durch eine steinige Landschaft langsam zur ersten Scharte empor. Während des Anstiegs bietet sich nach Westen eine großartige Sicht auf Misurina und den tief unten liegenden See sowie auf die Cristallogruppe jenseits des Tales. Kurz unterhalb der Misurinascharte ist ein wenig Kletterei nötig, was durch vorhandene Drahtseile erleichtert wird. Einmal auf der Scharte angelangt, hatte ich einen schönen Blick zurück auf den Col de Varda sowie nach vorne auf die steinige Wüste des Ciadin della Neve. Auch jenseits der Misurinascharte gibt es im oberen Bereich noch ein paar Drahtseile, die weiterhin keine Probleme bereiten. Anschließend folgt der Abstieg ins Kar bis zu einem Wegweiser.
Teufelsscharte Forcella del Diavolo 2380 m
Am Wegweiser teilt sich der Pfad in vier Richtungen, wobei ich meinen Weg zur Teufelsscharte fortsetzte. Nun geht es wieder über Geröll hinauf, bis sich später der Pfad verfestigt. Kurz unterhalb der Teufelsscharte sind noch zwei kurze Leitern problemlos zu überwinden. Als ich dann die Passhöhe erreichte, offenbarte sich ein großartiges Panorama. Mein Blick schweifte von dem Ciadin dei Tocci unten zu einigen Cadinispitzen darüber und zu den Drei Zinnen wiederum dahinter. Das ergab eine eindrucksvolle Landschaftsszene. Auch nach dieser Scharte ging es erneut über Fels und Geröll in den Ciadin dei Tocci abwärts bis sich der Pfad, kurz unterhalb der Fonda-Savio-Hütte mit jenem von Misurina kommend, vereint. Hier, auf dem Passo dei Tocci, befindet sich die Fonda-Savio-Hütte, die zu einer ausgiebigen Rast zum Essen und Trinken einlädt. Halbzeit!
Rifugio Fonda Savio Hütte 2367 m
Da die Fonda-Savio-Hütte auf einer Passhöhe liegt, gibt es wieder abwechslungsreiche Aussichten in verschiedene Richtungen. Nach Westen blickte ich über den Ciadin dei Tocci hinweg ins Tal von Misurina und auf den Monte Piana. Nach Osten schaute ich vom Flaggenmast auf die Steinwüste des Valon del Nevaio im Herzen der Cadinigruppe. Bislang lag ich gut in der Zeit und ich setzte nach der Pause meine Wanderung planmäßig fort. Der Sentiero Bonacossa führt absteigend auf der Ostseite des Passes bei einer ihm gewidmeten Plakette weiter. In diesem Bereich gibt es wieder unproblematische, seilversicherte Stellen. Auf dem Weg zur Rin-Bianco-Scharte geht es durch eine andauernde Steinlandschaft wieder kräftig hinunter, aber zum Glück am Ende jedoch nur noch wenig bergauf.
Forcella Rin Bianco Scharte 2176 m
Vor der Rin-Bianco-Scharte konnte ich gut das schmale Felsband erkennen, das ich bald bewandern würde. Es liegt in luftiger Höhe am fast senkrechten Fels, was allerdings aus dieser Perspektive »schlimmer« aussah, als es tatsächlich an Ort und Stelle war. Bald erreichte ich die Rin-Bianco-Scharte, die mit einer grünen Grasfläche aufwartete. Auch hier gab es wieder eine gute Gelegenheit noch einmal auszuruhen und zu trinken.
Dann wanderte ich weiter, bis ich beim genannten Band eintraf. Im Band selbst gibt es hier und da Seilversicherungen, meistens aber nicht. Der Pfad im Band ist breit genug, um sicher gehen zu können. Dennoch sollte man achtsam sein, wie und wo man geht. Denn ein Sturz an dieser Stelle könnte fatale Folgen haben. Die schwierigste Stelle dürfte die lange Leiter sein, die sich auf halber Strecke zum Normalpfad befindet. Danach setzt sich das Band in ähnlicher Weise fort, bis der Weg im Bereich des legendären Aussichtspunktes in einen üblichen Pfad übergeht.
Aussichtspunkt Punto Panoramico 2320 m
Der besagte Aussichtspunkt war bei meiner Ankunft nicht zu übersehen, da sich am Zugang eine Warteschlange von Wanderern mit Handys, Kameras und Drohnen gebildet hatte. Vermutlich die Folge eines Instagram-Hypes und die relativ leichte Zugänglichkeit des Ortes von der Auronzohütte. Das Panorama ist in der Tat mehr als beeindruckend. Von hier blickt man aus erhöhter Position über das grüne Campedelletal hinweg in das Herz der Cadinigruppe mit ihren zahlreichen grauen Felsspitzen. Eine nahezu identische Aussicht bietet ein Fels wenige Höhenmeter oberhalb. Dieser ist leicht erreichbar und es gibt mehr Platz. Außerdem bietet er in entgegengesetzter Richtung einen wunderbaren Ausblick auf die imposanten Drei Zinnen mit der Auronzohütte in der Ferne. Insgesamt zählt dieser Aussichtspunkt zu den schönsten der gesamten Wanderung.
Rifugio Auronzo Hütte 2333 m
Mit der Auronzohütte im Blickfeld war die Durchquerung der Cadinigruppe so gut wie geschafft. Allerdings musste zuvor noch ein weiterer Abstieg mit anschließendem Gegenanstieg bewältigt werden, der sich glücklicherweise in Grenzen hielt. Eben durch die Nähe der Auronzohütte waren in dieser Gegend wieder deutlich mehr Leute, wenn nicht sogar sehr viele, unterwegs. Es dauerte nicht lange und ich erreichte dann nach schließlich sieben Stunden Wanderzeit das Ziel der Auronzohütte. Auch die anschließende Rückkehr ins Tal nach Misurina mit »Dolomiti Bus« stellte sich als problemlos dar. Diese anstrengende Wanderung war durch die abwechslungsreichen Landschaften und Panoramen sehr erfüllend und ich konnte mit großer Zufriedenheit auf sie zurückblicken.