Monte Piana Monte Piana
Diese Wanderung führt auf historischen Pfaden aus dem Ersten Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 dauerte. Die damalige Frontlinie zwischen den Armeen Österreich-Ungarns und Italiens verlief genau über das Hochplateau des Monte Piana und Monte Piano. Dabei befanden sich die Italiener auf dem südlichen Monte Piana und die Österreicher auf dem nördlichen Monte Piano, die durch eine schmale Scharte miteinander verbunden sind. Der geschichtsträchtige Ort ist heute ein Freilichtmuseum mit zahlreichen Schützengräben, Truppenstützpunkten und Stollen sowie später errichteten Denkmälern.
Von der Angelo-Bosi-Hütte führt ein historischer Rundweg über alte Pfade über den Monte Piana und den Monte Piano. Das Hochplateau wird in der Form einer Acht mit relativ wenig Höhenunterschied erwandert. Dabei werden Ausblicke in alle Himmelsrichtungen ermöglicht. Besonders reizvoll ist der Pfad, der im Norden des Monte Piano unmittelbar an der Hangkante verläuft. Dieser Pfad ist teilweise mit Drahtseilen versichert und nur zu empfehlen, wenn man schwindelfrei und trittsicher ist. Wer dies nicht ist, kann stattdessen problemlos den Normalpfad auf dem Monte Piano nehmen.
Werte aus GPX-Datei errechnet. Steigung und Gefälle topografisch nicht angepasst und daher nicht real.
Misurina 1756 m
Misurina liegt in der Provinz Belluno im italienischsprachigen Teil der Dolomiten. Der Ort liegt schön am gleichnamigen See und dient häufig als Ausgangspunkt für Wanderungen in der Cristallogruppe, in der Cadinigruppe und in der Gegend um die Drei Zinnen. Es gibt einige wenige Hotels und einen Campingplatz. Markant ist das Bild des großen, gelben Gebäudes des »Istituto Pio XII« hinter dem See und vor der Gebirgskette der Sorapisgruppe. Das Wahrzeichen Misurinas beherbergte bis vor Kurzem ein Rehabilitationszentrum für Kinder mit Atemwegserkrankungen und scheint derzeit ohne Nutzung zu sein. Für meine Wanderung auf dem Plateau des Monte Piana und Monte Piano begab ich mich zum Großparkplatz am nördlichen Rand von Misurina, wo sich der Kiosk für den Shuttle mit dem Geländewagen befindet.
Rifugio Angelo Bosi Hütte 2205 m
Nach der viertelstündigen Fahrt mit dem Geländewagen kam ich an der Angelo-Bosi-Hütte an. Hier gibt es eine Plattform mit freier Sicht auf die Cadinigruppe. Es ist ein schönes Panorama mit den bewaldeten Hängen im Vordergrund und den grauen Cadinispitzen darüber. Neben der Hütte befindet sich eine Kapelle, von wo es eine reizvolle Aussicht ins Tal und auf den Misurinasee gibt. An der Angelo-Bosi-Hütte beginnt ein breiter Wanderweg. Direkt nach der Kurve verließ ich diesen Hauptweg und bog auf den ausgeschilderten Nebenpfad ab. Dieser verläuft an der Hangkante, ist aber ungefährlich und bietet schöne Blicke auf die Cristallogruppe. Der Pfad führt unterhalb des höchsten Punktes des Monte Piana vorbei zu einer grasbewachsenen Fläche, die ich bald erreichte.
Monte Piana 2324 m
Hier ist ein großes Holzkreuz errichtet, das aber nicht den höchsten Punkt markiert. Auf dieser Ebene erinnern zahlreiche Schützengräben und kleine Denkmäler an die Kämpfe, die hier im Ersten Weltkrieg stattgefunden haben. Der Ort lädt zu einer kleinen Rast ein, nicht nur um diese Relikte aus vergangener Zeit anzuschauen, sondern auch um die umliegende Bergwelt auf sich wirken zu lassen. Die exponierte Lage des Monte Piana ermöglicht eine freie Sicht auf den Monte Cristallo, auf die Hohe Gaisl, auf den Dürrenstein und seitlich auf die markanten Drei Zinnen. Nach der Pause setzte ich meine Wanderung zum Monte Piano fort.
Kastratenscharte Forcella dei Castrati 2272 m
Der Monte Piana und der Monte Piano sind über eine etwas tiefer gelegene Scharte miteinander verbunden. In diesem Bereich der Forcella dei Castrati befinden sich weitere Relikte und Denkmäler, darunter ein Erinnerungskreuz, ein Gedenkstein und eine Freundschaftsglocke. Über diese Scharte verläuft die Grenze zwischen den Provinzen Belluno und Südtirol und damit ändert sich auch das Aussehen der Wanderwegweiser. Erstere sind aus Metall und auf Italienisch ohne Zeitangaben – letztere sind aus Holz und zweisprachig mit Zeitangaben. Nach der Scharte wählte ich den linken Pfad in Richtung Monte Piano.
Monte Piano 2306 m
Der Weg führt leicht ansteigend über Grasflächen nach Norden. Am Ende des Pfades erreichte ich das Toblacher Kreuz an der sehr steilen, felsigen Hangkante. Vorsicht, da Absturzgefahr! Neben dem beeindruckenden Panorama der Gipfel ringsherum, sind am Monte Piano die Blicke in die Tiefe ebenso atemberaubend. Sehr schön ist der Blick durch das Höhlensteintal in Richtung Toblach, der Blick auf den tief unten gelegenen Dürrensee, sowie der Blick ins Tal von Schluderbach. Für die Fortsetzung der Wanderung nahm ich den historischen Weg, der nur bei Schwindelfreiheit und Trittsicherheit empfohlen wird. Andernfalls besteht die Möglichkeit, den Normalweg zu nehmen. Der Zugang zum historischen Weg erfolgt westlich abwärts und an einer seilversicherten Stelle vorbei.
Historischer Weg Sentiero Storico
Am Wegweiser unmittelbar nach der seilversicherten Stelle folgte ich dem Pfad nach rechts. Der Pfad nach links ist der Pionierweg ins Tal zum Dürrensee. Ich passierte einige Stollen, die mit Tafeln zur Erläuterung beschriftet sind. Es gibt weiterhin sehr schöne Ausblicke ins Höhlensteintal. Nach dem nördlichsten Punkt des Pfades wendet der Weg sich auf die Ostseite des Monte Piano und damit wechseln auch die Aussichten. Ich konnte das Rienztal überblicken und die Drei Zinnen kamen wieder zum Vorschein. Anschließend geht es wieder aufwärts zu dem Punkt nahe dem Toblacher Kreuz, wo ich bereits zuvor gewesen war.
Ab hier wanderte ich weiter auf dem historischen Weg, überwand eine kleine Treppe und passierte einen Stollen mit Schienen. Allmählich geht der schmale Pfad an der Hangkante in einen normalen Wanderpfad über, der von der Ostseite des Monte Piano wieder an die Forcella dei Castrati anschließt. Abschließend nahm ich einen Pfad auf der östlichen Seite des Monte Piana an weiteren Schützengräben vorbei. Über diesen Pfad erreichte ich dann die Kapelle an der Angelo-Bosi-Hütte.