Wandern in den Dolomiten


Schlern (2) • Vom Schlernhaus ins Tierser Tal
Sciliar (2) • Dal Rifugio Bolzano nella Val di Tires

Dies ist der zweite Teil einer Wanderung über zwei Tage von der Seiser Alm über den Schlern ins Tierser Tal. Die Wanderung beginnt am Schlernhaus und überquert den Schlern auf dessen Rücken zur Tierser-Alpl-Hütte. Die Wanderung bietet in diesem Abschnitt imposante Blicke auf die tiefer gelegene, riesige Seiser Alm.

Mit der anschließenden Überschreitung des Molignonpasses betritt man die karge, bizarre Landschaft des nordwestlichen Rosengartens. Über die Grasleitenhütte wandert man kontrastreich ins Grün des Tschamintals hinunter, wo sich der Rechte Leger mit Blick auf den Rosengarten als wohltuende Oase auftut. Die lange, aber abwechslungsreiche Wanderung endet in Weißlahnbad im Tierser Tal, wo ich am Tag zuvor mein Auto über Nacht geparkt hatte.

Weißlahnbad, Großparkplatz  176 Weißlahnbad Schlernhaus  Tierser-Alpl-Hütte • Grasleitenhütte • Tschaminschwaige  Schwarzer Letten Petz 2568 m  Tierser-Alpl-Joch 2440 m • Molignonpass 2598 m Sehr lang • Anspruchsvoll • Etappenwanderung • Hüttenübernachtung • Hochalpin • Langer Bergrücken • Almpanorama • Drahtseilpassage • Felslandschaft • Grüne Oase • Großer Abstieg

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Schlernhaus Rifugio Bolzano  2457 m

In den Berghütten beginnt der Tag eine Stunde früher als unten im Tal und so wird auch früher gefrühstückt, damit man sich zeitig auf den Weg machen kann. Noch vor dem Frühstück erwischte ich die Sonne, als sie über dem Langkofel aufging. Derweil hing in den Tälern eine dicke Wolkenschicht, die sich an jenem Tag noch länger halten würde. Aber über den Wolken war alles frei und der Himmel strahlend blau.

Und so startete ich meinen langen Abstieg ins Tierser Tal. Nachdem ich vom Schlernhaus zunächst etwas absteigen musste, wanderte ich im weiteren Verlauf auf dem Rücken des Schlerns wieder hinauf, aber nur mäßig steigend. Während sich nach Norden hin die Wolken über der Seiser Alm allmählich auflösten, blieben nach Süden hin im Tschamintal und darüber hinaus die Wolken hängen. Dennoch ragten die Spitzen des Rosengartens und des Latemars durch die Wolken und waren frei.



Sonnenaufgang Alba
Schlernhaus Rifugio Bolzano
Seiser Alm Alpe di Siusi
Schlern Sciliar


Tierser-Alpl-Hütte Rifugio Alpe di Tires  2440 m

Auf dem höchsten Punkt auf dem östlichen Schlernrücken ändert sich zugleich die Landschaft und die Aussicht. Nun schaute ich in imposanter Weise nach Osten an der Roterdspitze und an den Rosszähnen vorbei zu der in der Ferne gelegenen Tierser-Alpl-Hütte. Sie liegt auf scheinbar gleicher Höhe, aber sie ist nur durch einen wesentlichen Abstieg mit entsprechendem Gegenanstieg in der Folge erreichbar. Auf dem tiefsten Punkt dieses Abschnitts schließt von rechts der emporkommende Pfad aus dem Tschamintal durch das Bärenloch an.

Als ich einmal bei der Tierser-Alpl-Hütte mit dem auffällig roten Dach angekommen war, legte ich eine kurze Rast ein und bestellte etwas zum Trinken. Danach setzte ich meine Wanderung in Richtung Molignonpass fort. Jetzt geht es weiter hinauf, wobei im unteren Bereich eine kurze, mit Drahtseilen gesicherte Passage überwunden werden muss. Dabei gibt es einen schönen Blick auf die Rosszähne, die Rosszahnscharte und auf den Plattkofel.



Rosengarten Catinaccio
Tierser-Alpl-Hütte Rifugio Alpe di Tires
Tierser-Alpl-Hütte Rifugio Alpe di Tires
Rosszähne Denti di Terra Rossa


Grasleitenhütte Rifugio Bergamo  2134 m

Nach der Passage mit dem Drahtseil steigt der Pfad weiter an und flacht dann langsam ab. Auf dem höchsten Punkt schaute ich direkt auf den Molignonpass, der jetzt zum Greifen nahe war. Als ich auf dem Molignonpass ankam, blickte ich auf eine Art Mondlandschaft aus grauem Gestein und Staub. Zunächst gibt es das steile Kar nach unten in den Kessel, in den ich später absteigen würde. Dann auf der gegenüberliegenden Seite sah ich das steile Kar nach oben zur Grasleitenpasshütte, flankiert vom Kesselkogel, dem mit 3002 Metern höchste Erhebung der Rosengartengruppe.

Nicht zu verwechseln ist die Grasleitenpasshütte mit der Grasleitenhütte. Letztere würde ich besuchen, liegt »rechts um die Ecke« und ist aus der Perspektive des Molignonpasses nicht zu sehen. Nach einigen Genussmomenten stieg ich vorsichtig über viel Geröll in den Kessel ab. Ziemlich weit unten, aber nicht ganz unten, gabelt sich der Pfad. Links geht es zur Grasleitenpasshütte und rechts zur Grasleitenhütte. Ich wanderte nach rechts, nunmehr mäßig absteigend. Die Grasleitenhütte, die bis zuletzt außer Sicht blieb, erreichte ich dann nach einer knappen halben Stunde und legte abermals eine Rast ein.




Molignonpass Passo di Molignon
Kesselkogel Catinaccio d'Antermoia
Grasleitenpass Passo Principe
Grasleitenhütte Rifugio Bergamo


Tschamintal Val di Ciamin 

In der Grasleitenhütte sollte man noch einmal essen und trinken, denn es folgt ein langer und großer Abstieg in und durch das Tschamintal ohne Einkehrmöglichkeit bis zu dessen Ende. Zunächst geht es etwa zehn Minuten aufwärts zu einer Stelle, wo die Flagge der Hütte weht. Diese Stelle ist von unten aus dem Tschamintal zu sehen und zeigt das weite Ziel, falls man in umgekehrter Richtung wandern würde. Ich wanderte aber zum Glück abwärts und ab dieser Stelle geht es wirklich steil und kontinuierlich ins Tschamintal hinab. Abgesehen von dem schönen Blick ins Tal im oberen Bereich, ist der Abstieg ins Tschamintal wenig interessant.

Ich ließ den Abzweig zum Bärenloch und zur Tierser-Alpl-Hütte rechts liegen und erreichte bald den Talgrund, wo der Pfad in eine Schotterpiste übergeht. Überraschend schön ist dann wenig später der Rechte Leger. Dies ist eine herrliche, grüne Oase am Bachbett, mit Sitzgelegenheiten und freiem Blick auf einige Spitzen des Rosengartens. Wunderbar! Die Schotterpiste führt weiterhin über eine lange Strecke durch das Tschamintal langsam hinunter. Falls man Durst bekommen haben sollte, gibt es immerhin eine Notlösung. Denn an der Schotterpiste auf der linken Seite gibt es beim »Schwarzen Letten« eine Quelle. Die Quelle ist mit einem Schild beschriftet und es wird ausdrücklich aufgefordert das kühle Nass zu probieren und zu trinken!

Nicht weit nach dem »Schwarzen Letten« verzweigt der Weg. Die Schotterpiste führt weiter zur Nigerpassstraße, während ein Wanderpfad nun wieder stärker absteigend nach Weißlahnbad führt. Am Ende dieses Pfades in Weißlahnbad befindet sich die Tschaminschwaige, wo man essen und trinken kann. Die letzten Meter lief ich schließlich über eine Asphaltstraße zum Kreisel mit der Bushaltestelle und dem Großparkplatz.



Grasleitenhütte Rifugio Bergamo
Tschamintal Val di Ciamin
Rechter Leger
Rechter Leger